19 km ökologischer und ökonomischer Wahnsinn – das ist die geplante Lobau-Autobahn

Mit dieser Autobahn durch den Nationalpark Donau-Auen soll der so genannte „Regionenring“, die Autobahnumklammerung von Wien und St. Pölten, geschlossen werden. Das letzte noch fehlende Stück: der Abschnitt zwischen Süßenbrunn und Schwechat, über Raasdorf und Groß-Enzersdorf. Abgase von 60.000 Fahrzeugen täglich, nur 100 m entfernt von Wohnhäusern, nahe an Schulen und Kindergärten.

Die Lobau-Autobahn ist Teil eines europäischen Straßenbauprojekts im Rahmen der “Transeuropäischen Netze” (TEN-V). Vom polnischen Danzig bis an die Adria soll das TEN-Projekt Nr. 25 führen.

In Österreich soll diese Achse durch das Weinviertel und den Nationalpark Donau-Auen führen – zum Nutzen der FrächterInnen und obwohl eine entsprechende Nord-Süd-Straßenverbindung in der Slowakei seit rund 20 Jahren besteht (Diaľnica D2)!

Für uns ist klar:

Von einer Umfahrung kann keine die Rede sein! Der oberirdische Teil der Lobau-Autobahn führt mitten durch Wohngebiete in Wien (Essling) und Niederösterreich (Groß-Enzersdorf). Dreck und Lärm bedrohen die Menschen. Mehr Details dazu finden Sie auf unserer Website im Download-Bereich.

8,5 km der Lobau-Autobahn sind besonders zerstörerisch angelegt: Sie würden als Tunnel durch die Donau-Auen führen, Grundwasser und ökologisches Gleichgewicht wären enorm bedroht. Während in anderen Städten Autobahnen längst wieder abgerissen werden (Seoul!), baut Österreich munter neue. Und das, obwohl unser Land ohnehin bereits zu jenen Ländern mit den meisten Autobahn-Kilometern pro EinwohnerIn zählt.

Wir haben zahlreiche gute Argumente gegen die Lobau-Autobahn!

Die Donau Auen zwischen Wien und Bratislava sind ein Nationalpark – ein sensibles, streng geschütztes Ökosystem. Ein brutaler Eingriff wie das Bohren von 2 Tunnel gefährdet den Grundwasserhaushalt und den gesamten Nationalpark.

Kein Schutz für Menschen: Der Dreck von 60.000 Fahrzeugen täglich im Tunnel soll ungefiltert ausgeblasen werden – nur 100 Meter von Einfamilienhäusern, nahe an Schulen und Kindergärten. Der oberirdische Teil der Autobahn führt durch gewachsenes Siedlungsgebiet. In der Umweltverträglichkeitserklärung zur Lobau-Auobahn hat sich die Asfinag nicht einmal die Mühe eines eigenen Kapitels „Menschliche Gesundheit“ gemacht…!

Die Kosten: Es ist einfach absurd, 3 Milliarden Euro in ein einziges Straßenprojekt zu buttern. Dazu kommen Kosten für Finanzierung, Erhaltung und Sanierung. Und es ist längst klar: Autobahnen bringen keinen Nutzen für die Wirtschaft! Eine Studie des IHS zeigt: Ein Euro in die Schiene investiert bringt dreimal so viel, Geld für Bildung erhöht das BIP um fast das Siebenfache!

Autobahnen beschleunigen die Zersiedelung und schwächen die lokale Wirtschaft, immer mehr Menschen werden zu PendlerInnen. Außerdem wächst mit der Lobau-Autobahn und „dank“ dem damit verbundenen steigenden Autoverkehr der Druck, weitere Autobahnen und Schnellstraßen zu bauen: Die A23-Spange Aspern/Stadtstraße Hirschstetten und die S8 (Marchfeld-Autobahn) bekommen ihren fragwürdigen Nutzen erst durch die Lobau-Autobahn.

Die Lobau-Autobahn im Rückblick

Jahrzehntelang wurde über den Sinn und Unsinn einer weiteren Autobahn rund um Wien diskutiert. Obwohl sich Bürgermeister Häupl bereits im Jahr 2000 festgelegt hat („Keine Autobahn durch die Lobau“) sind die Planungen weitergegangen.

Lesen Sie eine kurze Chronologie zur Lobau-Autobahn:

  • 2000    Häupl: „Keine Autobahn durch die Lobau“
  • 2002    Häupl: „Keine Rede von einer Lobau Autobahn“
  • 2003    Endbericht SUPerNow, Symbolische Au-besetzung/Mahnwache
  • 2006    Au-Camp/Lobau-Besetzung
  • 2007    Autobahn-Beschluss im Ministerrat, Ende „Runder Tisch“ zur Lobau
  • 2009    UVP für Abschnitt Schwechat – Süßenbrunn startet
  • 2011     Gründung Zukunft statt Autobahn, Protestaktion: Bures verschenkt unsere Zukunft
  • 2012    Öffentliche Auflage der UVP-Unterlagen, gemeinsame zsa-Aktion vor der mündlichen Verhandlung
  • 2013    Anonymes Email: UVP-Bescheid fertig, wird aber erst nach NR-Wahl veröffentlicht
  • 2014    April: PK: Lobau-Autobahn Ein Brand kann zur Katastrophe führen
  • 2015    27. März: Der UVP-Bescheid wird erlassen, NGOs kündigen Einsprüche an

Im März 2015 war es dann soweit: „Grünes Licht für den Lobau-Tunnel“?
Mit dieser Schlagzeile haben sich einige Medien klar getäuscht – und damit auch die Bevölkerung! Fakt ist: Seit 27. März 2015 liegt der UVP-Bescheid vor. Und wenig überraschend bescheinigt das Verkehrsministerium der Lobau-Autobahn „umweltverträglich“ zu sein…

Fakt ist ebenso: Ein solches Edikt ist keine Baubewilligung!

Ein Edikt ist keine Baubewilligung und Baubeginn ist frühestens nach einem Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts. Bloß weil sich das Verkehrsministerium eine neue Autobahn selbst bewilligen möchte, werden die Bagger noch länger in den Garagen bleiben. Darum fordert Zukunft statt Autobahn den zuständigen Infrastrukturminister Stöger auf, der ernsten Beschädigung des Nationalparks Donau Auen ein Ende zu bereiten.

Zusätzliche Verfahren wie Wasserrecht und Naturschutz stehen noch aus, auch das Bundesverwaltungsgericht hat den UVP-Bescheid noch nicht geprüft. Der Bau der Lobau-Autobahn wäre jedenfalls fahrlässig!

Mobilität ist mehr als Milliarden-Autobahnen

Obwohl die Asfinag auf einem Schuldenberg von 12 Milliarden Euro sitzt, sollen alleine im niederösterreichischen Weinviertel drei Autobahnprojekte umgesetzt werden. Alleine 2015 soll eine Milliarde Euro für Autobahnen und Schnellstraßen draufgehen, die Hälfte davon für fragwürdige Neubauten. Der Öffentliche Verkehr aber wird vor allem im ländlichen Raum weiter ausgedünnt.

Gut ausgebauter, leistbarer öffentlicher Verkehr ist die Zukunft. Menschen brauchen gesicherte, leistbare und gut ausgebaute Öffentliche Mobilität.

Wir sagen:

  • Der Bau von Schnellstraßen und Autobahnen ist Politik von vorgestern!
  • Die Auseinandersetzung um die Lobau-Autobahn ist keinesfalls entschieden!